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Weber und Astor blicken optimistisch in die Zukunft
Weber und Astor blicken optimistisch in die Zukunft Bild: VcG
23.06.2020 / Mixed

Corona und campo

Coronaboost für campo - für viele Unternehmen hat der Lockdown schwere wirtschaftliche Folgen, nicht so für campo golf: Die junge Online-Plattform für die Startzeitenbuchung erlebt durch die Corona-Krise einen Ansturm ungeahnten Ausmaßes – und beschert ihren Gründern Florian Astor und Matthias Weber turbulente Wochen ...

Autor:in: Imke Ulrich
Lesedauer 5 MIN
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„Das war ein heißer Ritt und erst seit einer Woche läuft es bei uns wieder halbwegs normal“ – als Florian Astor Mitte Juni an die Zeit des Lockdowns zurückdenkt, schüttelt er ungläubig den Kopf, zu sehr hat die Pandemie sein junges Unternehmen durcheinandergewirbelt. Er erinnert sich: Anfang März starteten sein Geschäftspartner Matthias Weber und er optimistisch in die neue Saison. campo golf hatte sich in den letzten Monaten gut entwickelt. Die App und Online-Plattform bündelt verfügbare Startzeiten von zu dem Zeitpunkt 160 Golfclubs bundesweit. Golfer können sich bei campo bequem rund um die Uhr über alle passenden Zeiten und Golfclubs inklusive ihrer Greenfee-Preise informieren, Startzeiten buchen und online bezahlen.  

Und dann kam Corona ... 

„Wir waren natürlich erstmal geschockt“, so Weber. „Keiner wusste ja so richtig, was folgt. Dass dann alle Golfanlagen bundesweit für Wochen geschlossen werden, hätte wohl keiner von uns gedacht. Was machen wir, wenn das langfristig so bleibt? Wir sahen schwarz für unser Unternehmen!“ Generell ist jede Buchung, mit Ausnahme von Aktionspreisen, bei campo golf flexibel stornierbar. Bis zu einer Stunde vor der Startzeit erhält man das Geld sofort zurück. „Da nun plötzlich der Spielbetrieb eingestellt war, waren wir drei Tage lang nur damit beschäftigt, die eingehenden Stornierungen abzuarbeiten“, so Weber. Danach kehrte Ruhe ein und die Frage, wie es weitergeht, stand im Raum. Dass das Golfspielen irgendwann wieder möglich ist, dann aber nur unter Einhaltung gewisser Abstands- und Hygieneregeln, war klar und wie einige Clubs begannen auch Weber und Astor, sich darauf vorzubereiten. Tatsächlich kam schon bald der erste Club auf sie zu und fragte an, ob es nicht möglich sei, dass künftig nicht wie bisher nur Gastspieler, sondern auch Clubmitglieder über campo golf ihre Startzeiten buchen könnten. 

Neue Wege gehen

Weitere Clubs folgten. Matthias Weber und Florian Astor erkannten die Chance und fingen an, auf die neuen Anforderungen zu reagieren. Sie bauten die Plattform komplett um und erweiterten sie. „Eine Riesenaktion, alles musste auf die neue Datenbank transferiert, umprogrammiert, neu definiert werden“, erinnert sich Astor. „Und natürlich funktionierte danach nicht alles sofort optimal. Es brannte überall. User machen Dinge, die man einfach nicht erwartet, auf die man reagieren muss, wir mussten in den Wochen im laufenden Betrieb noch vieles testen und optimieren.“ Ab Ende April öffneten, beginnend mit Rheinland-Pfalz, nach und nach die Golfanlagen wieder den Spielbetrieb für ihre Mitglieder, die Clubsekretariate waren jedoch nur sehr eingeschränkt besetzt und Corona-Regelungen zum Beispiel bezüglich der Flightgröße zu beachten. „Die Online-Startzeitenbuchung und -zahlung war also plötzlich wichtiger denn je“, so Weber. „Clubs, die online zuvor nicht diese Möglichkeiten geboten hatten, wandten sich hilfesuchend an uns. Die, die schon bei uns waren, wollten nun auch ihren Mitgliedern die Online-Startzeitenbuchung ermöglichen – und die Golfer waren heiß aufs Spielen. Jeder wollte schnellstmöglich eine Startzeit und jeder Club zum Teil sehr kurzfristig ein Online-Tool. Uns wurde „virtuell“ die Bude eingerannt, vor allem auch nachdem wir in einem Online-Seminar, an dem 100 Clubmanager teilnahmen, über die Möglichkeiten des kontaktlosen Spielbetriebs referiert hatten.“

Leben am Limit

Tag und Nacht, teilweise unterstützt von bis zu drei Freunden, hatte das campo golf-Team alle Hände voll zu tun, um alle Anfragen umzusetzen und hunderte von Supporthilferufen zu meistern. Dann fiel auch noch der Entwickler der neuen Plattform krankheitsbedingt aus – es war heftig. „Statt 500 versendeten wir plötzlich 300.000 E-Mails im Monat, brauchten also plötzlich einen neuen Mailserver und mussten den jede Woche erweitern, da wir so von den Golfern bombadiert wurden“, so Weber. „Über drei Wochen lang meldeten sich jeden Tag 1.500 neue Nutzer an. Plötzlich hatten wir über 120.000 Nutzer in der Woche auf unserer Plattform. Allein von Ende April bis Mitte Juni erfolgten 180.000 Startzeitenbuchungen über campo, für das System eine enorme Belastung und es knirschte ganz schön im Maschinenraum!“ Der Ansturm war enorm. Nicht nur die vielen Anfragen, sondern auch die Technik stellte die Unternehmer auf die Probe und an ein paar Tagen war die Plattform zeitweise gar nicht mehr erreichbar was auch für Clubs und Golfer frustrierend war. „Aber es war auch spannend zu sehen, wie sich das ganze Spiel von heute auf morgen um 180 Grad drehte. Vorher ganz ohne System lebten alle mit den Öffnungszeiten der Sekretariate. Nach der Einführung von campo bekamen wir selbst morgens um 1 Uhr noch Feedback von Nutzern, dass die Plattform nicht erreichbar ist, wenn wir gerade mal ein fünfminütiges Update eingespielt haben“, so Astor. Zwei Monate lang arbeitete das campo golf-Team quasi rund um die Uhr. Freunde brachten regelmäßig Essen ins Büro, für Privatleben und Freizeit war keine Minute übrig. „Jeden Tag wurde die Aufgabenliste länger, wir haben sieben Tage die Woche Updates gefahren, hatten viele Aufs und Abs, auch kamen bei uns noch ein paar private Schicksalsschläge und Quarantäne dazu ... insgesamt eine extrem harte Zeit mit viel Druck und zusätzlich vielen neuen Anforderungen seitens der Clubs und Golfer“, sagt Astor. „Einerseits war es schön, dass unsere Geschäftsidee plötzlich so gut ankam, andererseits physisch und psychisch eine wilde Zeit, enorm belastend und die Geduld herausfordernd, denn nicht alles ist technisch immer schnell umsetzbar oder lief immer rund. Wir sind sehr gut und schnell, indem was wir machen, aber der Tag hat eben nur 24 Stunden!“

Zeitintensiv und nervenaufreibend

Um campo golf nutzen zu können, muss sich der Golfer registrieren. Viele der neuen Nutzer sind jedoch nicht unbedingt digital affin, waren ungeduldig und brauchten von campo golf viel Unterstützung, zum Beispiel bei der Einrichtung ihres Nutzerkontos. „Da war einiges an digitaler Lebensberatung nötig, das war sehr zeitintensiv!“, resümiert Astor. „Doch es gab auch immer wieder viel Dankbarkeit und Lob von den Nutzern, also schöne Momente! Teilweise haben wir mit den Nutzern per Facetime und Videotelefonie zusammen ihre Kundenkonten eingerichtet. Das waren schon auch sehr lustige und schöne Momente! Viele Clubs schickten uns Care-Pakete und aufmunternde Worte. Sie wären ohne die Systemunterstützung hoffnungslos in der Startzeitenverwaltung ertrunken, denn die Clubsekretariate hätten das kaum leisten können. Mit gemeinsamer Kommunikation und ein paar Tricks haben viele Clubs seine Self-Service-Rate von über 80 Prozent hinbekommen. Das war ein cooles Miteinander!“

Weiter gehts

Seit Mitte Juni kehrt nun endlich wieder etwas Ruhe ein, auch wenn weiterhin wöchentlich viele hundert neue User hinzukommen und momentan rund 12.000 Menschen täglich auf der Plattform aktiv sind. Für den registrierten Nutzer ist der campo golf-Service kostenfrei, er zahlt keine Vermittlungs- oder Bearbeitungsgebühr, sondern als Gastspieler nur den Greenfee-Preis, den der Club auf der Plattform kommuniziert. Als Clubmitglied zahlt er nur, wenn er einen anderen als seinen Heimatplatz bucht. „Momentan haben wir noch viele Heimatclubbuchungen von Mitgliedern, aber zum Glück sind auf vielen Anlagen ja nun auch wieder Greenfeespieler willkommen, so dass wir auch etwas verdienen. Der Club zahlt uns eine geringe Provision für die Vermittlung, aber nur von Greenfeespielern“, so Astor. „Gelohnt hat sich der Einsatz auf jeden Fall: Unser Service hat sich bewährt und ist jetzt bundesweit bekannt, viel schneller und erfolgreicher, als es durch eine Werbekampagne möglich gewesen wäre. Es kommen kontinuierlich neue Greenfeespieler hinzu. Und viele der bei uns nun registrierten Clubmitglieder wissen nun, wie es geht und nutzen campo nicht nur für ihre Heimatclubbuchungen, sondern auch für ihre Greenfeebuchungen. Von unseren mittlerweile fast 200 teilnehmenden Clubs hören wir jetzt regelmäßig, dass sie durch campo neu Spieler auf dem Platz haben, die sie noch zuvor gesehen haben. Unsere Geschäftsidee hat sich bewährt. Das freut uns natürlich sehr!“  

Zurück zu alten Zeiten?

Corona hat nicht nur campo golf, sondern auch der Golfwelt einen digitalen Schub gegeben. „Die Golfer sind nun mit der Online-Buchung von Startzeiten vertraut, die Digitalisierung bei den Clubs hat einen enormen Schritt nach vorn gemacht. Der ein oder andere Club wird vielleicht zu seinem alten System ohne Startzeiten zurückkehren, aber ein Großteil der Clubs ist jetzt auf den digitalen Zug aufgesprungen und hat die Vorteile, die wir ihnen für die Organisation ihres Spielbetriebs und den Zahlungsfluss bieten, erkannt“, so Weber. „Wir werden jetzt wieder an der Weiterentwicklung unseres Produkts arbeiten und das konstruktive Feedback unserer User für neue Funktionen und Services nutzen. Bald kann man auch Golfcars, Turniere und Kurse buchen. Auch die Angebotsstruktur wird noch mal deutlich erweitert. „Aber heute nehmen wir uns erst mal einen halben Tag frei“, sagen die beiden und lachen mit dem Blick auf die Uhr – es ist 18:30 Uhr! 

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