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Leon Reeh (li.) und Finn-Lasse Ernst haben alles in Griff
Leon Reeh (li.) und Finn-Lasse Ernst haben alles in Griff Bild: VcG
26.03.2025 / Interview

Die Anpacker

Geht alles glatt, wenn aus Kindheitsfreunden Geschäftspartner werden? Ja, sagen Finn-Lasse Ernst und Leon Reeh, 28 und 26 Jahre alt. Sie sind seit 2022 mit der Grab Perfect GmbH am Markt und verraten, wie so ein Businessaufbau funktioniert.
 

Autor:in: Imke Ulrich
Lesedauer 7 MIN
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Finn-Lasse und Leon, ihr seid die Geschäftsführer der Grab Perfect GmbH. Kernprodukt: ein Golfhandschuh! Mit im Team ist der Profi-Fußballspieler Luca Waldschmidt. Er spielte 2021 bei der Geburt der Geschäftsidee eine entscheidende Rolle … Wie kam es dazu?
 
Finn-Lasse Ernst: Nun, wir drei kennen uns schon ewig. Eines Tages waren wir mit dem Neugolfer Luca im Golfclub Dillenburg auf dem Platz. Irgendwie lief es bei ihm aber nicht. Der Griff war das Problem. Wir haben ihm dann in seiner Ansprechposition die Hände so gedreht, dass er den neutralen Griff hatte. Plötzlich spielte er ein viel besseres Golf mit präziseren Schlägen.
 
Leon Reeh: Ja, der falsche Griff ist die Quelle verschiedenster Folgefehler. Er kann zu einem nicht optimalen Schwung führen und das zu korrigieren ist extrem schwer. Ist der Griff nicht richtig, zu schwach oder zu stark, fliegt der Ball nicht gerade. Bei Luca war es dauernd ein Slice. Wir haben ihm dann als Orientierung mit dem Edding Hilfslinien auf seinen Handschuh gemalt, damit er, auch wenn wir nicht dabei sind, neutral greift und gerader schlägt.
 
Die aufgemalten Linien zeigen also, wie die Handhaltung optimal ist?
 
Finn-Lasse: Genau, es geht darum, bei jedem Schlag denselben Griff zu haben wie beim Schlag davor!
Nur wenn in der Setup-Position der Schläger so gegriffen wird, dass die Linien auf dem Golfhandschuh von oben nicht zu sehen sind, dann ist der Griff im Setup neutral.  Allein mit dem perfekten Griff können wir natürlich nicht aus einem HCPI 54 eine 10 machen, aber die Ausgangsposition optimieren und Fehlschläge wie den Slice und Hook minimieren.
 
Leon: Der Handschuh ist vor allem ein Tool für Golfanfänger, um erstmal vernünftig ins Golfen reinzukommen und ohne Frust am Ball zu bleiben. Luca haben die Linien super geholfen. Wir hatten immer das Bild im Kopf, wie ein Trainer seinem Schüler den Griff richtig rückt – und wie dieser die Griffhaltung bis zur nächsten Trainingsstunde bereits wieder vergessen hat. Deshalb haben wir überlegt, wie wir das Ganze so professionalisieren können, dass es jedem hilft, ohne dass ein Pro dabei ist.
                                            
Okay, die Geschäftsidee war also geboren. Und euer familiäres Umfeld ist in Ohnmacht gefallen?
 
Leon: (lacht) Nein, das war begeistert. Wir kommen beide aus Familien, in denen der Mut zur Selbstständigkeit vorhanden ist. Wir erhielten von Anfang an viel Support und Zuspruch, auch von Freunden und zum Beispiel auch vom Präsidenten des GC Braunfels.
 
Ihr habt eure Jobs für euer Unternehmen aufgegeben?
 
Finn-Lasse: Ja, ich habe als Golfbetriebsmanager acht Jahre beim GC Braunfels gearbeitet. Und Leon ist durch sein duales Sport-Businessmanagement-Studium auch vier Jahre dort gewesen, wir haben ein großes Netzwerk. Seit 2023 arbeiten wir „nur“ für Grab Perfect. Momentan stemmen wir zwei alles vor Ort. Mit Luca besprechen wir uns wöchentlich online, er unterstützt uns bei Entscheidungsprozessen und im Networking.

Wie ging es nach der Idee weiter?
 
Finn-Lasse: Nun, ich hatte mich zuvor schon mit einem Müsli-Unternehmen selbstständig gemacht und deshalb ein wenig Erfahrung. Zuerst brauchten wir natürlich einen Namen. Es sollte was Internationales sein, da der deutsche Golfmarkt recht klein ist. Beim Brainstorming war der Name „Grab Perfect“, also „Greife perfekt“, schnell gefunden. Wir konnten gar nicht glauben, dass es das Produkt und auch den Namen noch nicht gab und haben uns dann alles schnell schützen lassen. Lustig war, dass wir der IHK Dillenburg noch eine einseitige Erklärung einreichen mussten, da die den Namen deutsch gelesen und uns als Bestattungsinstitut eingeordnet hatten.
 
Leon: (lacht) Und dann haben wir einfach losgelegt. Von der Idee zum Notar ging es superschnell: Wir haben ein Logo entwickeln lassen, uns die URL gesichert, in mehreren Stufen einen Online-Shop gebaut, erste Rohlinge mit aufgemalten Linien erstellt, für jede Größe, Damen und Herren, Musterlieferungen angefragt, Golfern Sampel zum Testen gegeben etc. Aufgeben war nie eine Option, auch nicht, als unsere Wohnzimmer im größten Chaos versanken, sprich voller Kartons und Produktmuster waren.
 
So eine Produktentwicklung ist sicher kein leichtes Unterfangen …
 

Leon: Ja, wir haben hunderte Mails geschrieben, verschiedene Lieferanten ausprobiert, von China und Pakistan bis aktuell Vietnam. Bei der ersten Produktion war das Leder super und die Linien waren aufgeklebt, aber nicht lang genug fixiert, so dass sie sich beim Gebrauch des Handschuhs lösten. Dann hatten wir eine Produktion mit aufgemalten Linien, aber da hat sich die Farbe gelöst usw. Da haben wir wilde Sachen durch. Die Linien sind jetzt fixiert und nicht zu spüren, der Handschuh ist dadurch sogar profiturniertauglich. Das neueste Modell hat keine außenliegenden Nähte am Handballen mehr und ist dadurch noch angenehmer zu tragen.
 
Finn-Lasse: Wir haben auch das richtige Leder gefunden und die Umverpackung. Anfangs haben wir noch jeden Handschuh einzeln mit schmucklosem Karton konfektioniert und das Ganze mit einem Sticker versehen, der die Größe auswies. Heute kommen die Handschuhe in einer bedruckten High-Endverpackung mit QR-Code und allen Angaben ausgezeichnet zu uns.
 
Mit knapp 30 Euro ist euer Golfhandschuh nicht der günstigste …
 
Leon: Natürlich gibt es billigere. Die sind dann aber oft aus Kunststoff, superdick, bei Nässe unbrauchbar, schnell abgenutzt. Wir bieten dagegen das Niveau eines Players-Handschuhs und verwenden Cabretta-Leder, also hochwertiges Lamm-Leder, das ein ganz anderes Schlaggefühl vermittelt. Die Handschuhe sind robust, aber auch dünn, weich und anschmiegsam. 
 
Aber ist die Nachfrage, noch dazu nach hochpreisigen Golfhandschuhen denn da?
 
Finn-Lasse: Wir denken schon. Angefangen haben wir mit 1.000 Stück pro Order. Jetzt sind wir bei 5.000 Stück, perspektivisch bald bei 10.000 ... Generell sollte man nach zwölf bis 15 Runden den Handschuh wechseln. Profis verschleißen bis zu drei Handschuhe an einem Turnierwochenende, manche drei auf einer Runde. Das ist sehr individuell. Der Handschuh ist für das Spielergebnis genauso wichtig wie der Ball-Typ. Im Golf geht es um Konstanz und das sind die einfachsten Faktoren, wo man konstant sein kann.
 
Eigentlich könnte aber doch jeder Golflehrende der oder dem Trainierenden mit einem Stift so eine Kurve auf den Handschuh malen. Warum sollte man euer Produkt kaufen?
 
Leon: Der Golflehrer müsste die Linien aber bei jedem Handschuhwechsel neu aufmalen. Da ist es praktischer und günstiger einen Handschuh zu kaufen, den ich ja eh brauche! Das Liniensystem für die perfekte Griffhaltung ist unser USP. Wir haben es mit professionellen Golfern und Trainern entwickelt und besitzen das europäische Einheitspatent. Die Anordnung der Linien und das Gedankengut dahinter sind geschützt. Das amerikanische Patent werden wir in Kürze erhalten.
 
Und wie kriegt man so ein Produkt dann „an den Mann“?
 
Finn-Lasse: Große Golfausrüster wie Golf House und all4golf sind noch verhalten und der Vertrieb über Pro-Shops ist keine Option für uns. Wir setzen auf Amazon sowie unseren Online-Shop und Online-Marketing, arbeiten also mit Anzeigen auf Facebook, Google, Instagram, die auf unseren Shop verlinken, sowie Mails. Bis zu 16 verschiedene Ads sind es pro Woche, die geplant, getestet, realisiert und beobachtet werden müssen. Das Performance- und Email-Marketing mussten wir uns erstmal erarbeiten. Wir haben überall Tests gemacht.
 
LR: Ja, dank KI sind Anzeigen in verschiedenen Sprachen kein Problem. In Skandinavien, Benelux, Spanien und vor allem Amerika war die Resonanz sehr gut. Wir denken tatsächlich über eine zweite Dependance in den Vereinigten Staaten nach. Momentan konzentrieren wir uns aus logistischen Gründen aber auf die DACH-Region. Zu tun gibt es genug, aber mittlerweile wissen wir, wie alles geht. Wir shooten die Motive selbst, drehen und schneiden unsere Werbefilme in Eigenregie. Keiner von uns geht mehr ohne Kamera und Skript zum Golfen. Es wird immer Content produziert, auch wenn wir unser Produkt auf Golfturnieren, wie dem Martin Kaymer Invitational und hoffentlich auch mal bei der PGA-Messe in Orlando, präsentieren. Eine Werbeagentur gibt uns als Sparrings Partner Impulse für die Gestaltung und das Wording.
 
Viel Freizeit bleibt vermutlich nicht?
 
FLE: Wir sind quasi nonstop im Einsatz. Als wir die 5.000ste Order erhielten, waren wir am Filmen und hatten gar keine Zeit zum Feiern. Der Kundenservice ist uns superwichtig: Wenn Bestellungen reinkommen, konfektionieren, etikettieren und versenden wir beiden das Produkt schnellstmöglich in unserem Lager im Keller des Bekleidungsgeschäfts von Leons Mutter. Dabei haben wir natürlich eigentlich anderes zu tun …
 
Wie geht ihr mit den schlechten Bewertungen auf Amazon um?
 

Leon: Die haben uns sehr erschrocken. Wir haben fehlerhafte Produkte sofort erstattet und mit Hochdruck weitergearbeitet. Die schlechten Bewertungen werden wir mit guten überkompensieren. Wir haben so viel positives Feedback, auch von Teaching- und Playing-Pros, dass wir den Weg weitergehen.
 
Ist das Ganze denn schon profitabel?
 
Finn-Lasse: Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen, Einzelmonate sind aber schon sehr positiv. Perspektivisch wollen wir unser Angebot auch auf Fashion erweitern. Eine Basiskollektion gibt es bereits, die Entwicklung ist noch schwieriger als beim Handschuh, aber: Lieber versucht und nicht geschafft, als nicht versucht!
 
Vielen Dank für das Gespräch!
 
 
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